Provenienzforschung an der ub.mdw
Die Geschichte der ub.mdw geht auf den 1. Jänner 1909 zurück, als durch die Entschließung von Kaiser Franz Joseph I. das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde Wien verstaatlicht und als k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien weitergeführt wurde. Am Ende des Gründungsjahres umfasste der Bestand der Bibliothek 1300 Bände, bis Anfang der 1930er-Jahre erhöhte sich die Zahl auf etwa 14.000. Zwischen 1933 und 1945 wurden schätzungsweise rund 15.000 Bände (überwiegend Musiknotendrucke) im Bestand der ub.mdw inventarisiert.
Nach dem „Anschluss“ am 12. März 1938 profitierten auch österreichische Bibliotheken an dem vom NS-Regime „beschlagnahmten“ oder geraubten Eigentum vor allem jüdischer Mitbürger*innen. Zahlreiche Bücher und Noten aus ihrem ehemaligen Besitz gelangten während der Zeit des Nationalsozialismus auch in den Bestand der ub.mdw. Doch auch nach 1945 gelangte Raubgut aus der NS-Zeit durch Kauf im Musikalien- und Buchhandel sowie Antiquariaten bzw. durch oftmals anonyme „Spenden“ oder Nachlässe an die ub.mdw. Die ab 1909 enthaltenen Inventarbücher liefern Informationen über die Erwerbungsart und die Verkäufer*innen oder Einbringer*innen. Durch diese wertvolle Quelle ist es vielfach möglich die Erwerbungs- und Provenienzkette zu rekonstruieren.
Studientag Provenienzforschung an der mdw
Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Unterricht
18. Juni 2026, 10.00 –18.00 Uhr, Hörsaal im Übering (S EG 17A)
1030, Anton-von-Webern-Platz 1
Am Studientag Provenienzforschung sind Forschende, Lehrende und Studierende gleichermaßen beteiligt. Im ersten Teil steht die Provenienz von Bibliotheksbeständen im Mittelpunkt. Dabei werden sowohl ihre Grundlagen erläutert und diskutiert als auch erste Ergebnisse des derzeit laufenden Forschungsprojekts zur Provenienz der ub.mdw-Bestände vorgestellt. Der zweite Teil des Studientags widmet sich der Provenienz von Musikinstrumenten. Nach einer Einführung in die Provenienzforschung an Musikinstrumenten werden mdw-Studierende des Masterseminars zu Provenienzforschung (Ltg. Fritz Trümpi, IMI) gemeinsam mit Studierenden der Schweizer Geigenbauschule Brienz (Ltg. Olivier Krieger) die Herkunft ausgewählter Streichinstrumente aus dem Bestand des Instituts für Alte Musik der mdw zeitgeschichtlich kontextualisieren und auf ihre materielle Herkunft hin analysieren.