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LC # 72  |  Jänner 2022

Alles Gute zum 400. Geburtstag, Monsieur Molière!

Ich liebe die Bequemlichkeit und finde es äußerst mühsam, geistreich sein zu müssen.
(Aus: Molière, Die gelehrten Frauen)

Entgegen der Aussage im obgenannten Zitat war Jean-Baptiste Poquelin alias Molière wohl einer der geistreichsten Theaterschriftsteller überhaupt. Am 15.Jänner feiern wir den 400. Geburtstag dieses bedeutenden Dramatikers, der die Komödie zu einer der Tragödie gleichwertigen Gattung erhob.

Molière erblickte 1622 das Licht der Welt in Paris, wo er auch 1673 starb. Früh schon zog es ihn – entgegen den Wünschen seiner Familie – zum Theater, wo er als Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker tätig war. „Molière“ selbst ist ein Künstlername, den Jean-Baptiste Poquelin möglicherweise ab 1643, spätestens jedoch seit Juni 1644 benutzte. Die Herkunft des Namens ist unklar; in Südfrankreich existiert jedenfalls eine gleichnamige Ortschaft.

Ein angenehmes Laster ist einer langweiligen Tugend bei weitem vorzuziehen.
(Aus: Molière, Amphitryon)

Molière verstand es wie kaum ein anderer, angriffslustige Satire (die ihm nicht selten Ärger mit den Autoritäten einbrachte) mit publikumswirksamer Gefälligkeit (niemals Anbiederung) zu vereinen. Heuchelei, Gier, Frömmelei, aber auch selbstverliebte Libertinage waren seine Lieblingsthemen. Zudem schrieb er Libretti für die Ballettkomödien des mit ihm befreundeten Komponisten Jean-Baptiste Lully. Marc-Antoine Charpentier, Richard Strauss, Frank Martin vertonten einige seiner Werke und auch Fellini-Hauskomponist Nino Rota ließ sich von Moliere inspirieren. Der russische Grotesk-Satiriker Michail Bulgakow schrieb einen Roman sowie ein Theaterstück über ihn.

Wer jedermanns Freund sein will, ist der meine nicht.
(Aus: Molière, Der Menschenfeind)

Molières Strahlkraft reicht bis in unsere Tage, da seine mitunter überaus bissige (und für heutige Begriffe wohl politisch zuweilen höchst unkorrekte) Gesellschaftskritik von geradezu gespenstischer Zeitlosigkeit ist. Seit 1752 werden seine Werke auch regelmäßig ins Deutsche übersetzt, wobei der österreichische Schriftsteller und Theaterkritiker Hans Weigel wohl als der deutschsprachige Molière-Übersetzer des 20. Jahrhunderts genannt werden darf.

(Text: FRT/ub.mdw)

 

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