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In ihrem Empfehlungsdienst "Librarian's Choice" wirft die ub.mdw monatlich Schlaglichter auf Besonderheiten aus ihrem Bestand.
 

LC # 55 | Dezember 2019 | Student’s Choice

Institutionalisierungen im Musikbereich: Wien um 1900

Hierarchien – In-/Exklusion – Konkurrenz und Kooperation – Veränderungen und Anpassungen – Wechselwirkungen mit der Gesellschaft: All dies sind Merkmale von (Musik-)Institutionen, die sowohl als Organisationen als auch immateriell verstanden werden können. Beispiele für immaterielle Institutionen im Musikbereich sind etwa Applaus, Auftrittsgesten oder Kleidungsgebote.

Die Vielfalt musikalischer Institutionen unterschiedlichster Genres in Wien um 1900 war, zumal im Vergleich mit heute, enorm. Einige von ihnen waren äußerst kurzlebig, während sich andere nachhaltig in die musikalische Topographie der Stadt einschrieben, und wenige bis heute existieren.

Als Alternative zum Repertoirebetrieb gründete Arnold Schönberg 1918 seinen Verein für musikalische Privataufführungen, in dessen Zentrum zeitgenössische Kompositionen jenseits persönlicher Geschmäcker stehen sollten.

Venedig in Wien, eine Theater- und Vergnügungsstätte im Wiener Prater, wurde im Mai 1895 vom Theatermacher Gabor Steiner im Stil der venezianischen Architektur eröffnet und bot ein breites Kulturangebot für die Sommermonate an.

Die Konzertsäle von Klavierfabriken, wie zum Beispiel jene von Bösendorfer und Ehrbar, wurden im Gegensatz zu den Sälen des Musikvereins für Solo-, bzw. Kammermusik konzipiert, welche auch für das Marketing der jeweiligen Firma benutzt wurden.

Das strenge Regiment Gustav Mahlers als Hofoperndirektor führte zu vielen institutionellen Veränderungen, die von tiefen Eingriffen in die Personalstruktur ebenso gekennzeichnet waren wie von der Durchführung von Spielplanreformen und der Darbietung von Modellaufführungen und Interpretationszyklen.

Das Ronacher hat sich im Laufe von zwei Jahrhunderten als äußerst standhaft und zugleich wandelbar erwiesen und es geschafft, mehreren Schließungsperioden zu trotzen und sich stets an die gesellschaftlichen und auch bürgerlichen Bedürfnisse anzupassen.

Die Studierenden Luise Adler, Miyuki Kawaguchi, Hanna Mikschicek, Marlene Olbricht und Lukas Zeuner verfassten diesen Student’s Choice im Rahmen eines Seminars bei Ass.-Prof. Fritz Trümpi.

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